Demenz – Was Präventionsmaßnahmen und Lebensstilveränderungen bringen

Aktualisiert: 30. Juli

Der geistige Abbau lässt sich im Alter bremsen, falls es gelingt Risikofaktoren zu reduzieren - Bildungsmangel, Hörverlust, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Depression, soziale Isolation - und den Lebensstil zu modifizieren - gesunde Ernährung, viel Bewegung, Neugierde und soziale Kontakte.

Video erstellt von Gabriele Hoch im Zuge eines Studienprojektes a.d. Donau Universität Krems


Weltweit leiden derzeit etwa 50 Millionen Menschen an Demenz und diese Zahl wird sich bis 2050 verdreifachen. Die zunehmende Lebenserwartung wird als Hauptursache gesehen. Demenz ist nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige belastend, die im Verlauf der Betreuungsarbeit ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angsterkrankungen entwickeln. Die volkswirtschaftliche Belastung von mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr in Österreich wird sich bis 2050 verdreifachen, denn bis dahin wird die Zahl der über 80-Jährigen in Österreich deutlich steigen. Ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung liegt dann im Demenz-Risikoalter. Jeder Vierte über 85 leidet heute an Demenz.


"The Lancet-Commissions" publizierte im Dezember 2017 Präventionsempfehlungen für Demenz: Demenz geht nicht unbedingt schicksalhaft mit Alterung einher. Zeitgerechte Vermeidung und Beeinflussung von Risiko- und Lebensstilfaktoren soll das Fortschreiten der klinischen Symptomentwicklung verzögern. Auch zunehmende Hörbeeinträchtigung bei kognitiv unauffälligen Menschen im mittleren Lebensalter ist ein starker Risikofaktor für Demenzentwicklung im späteren Leben. Wenn Risikofaktoren beachtet und der Lebensstil modifiziert wird, kann etwa ein Drittel der Betroffenen von der klinischen Demenzsymptomatik verschont bleiben. Langzeitstudien geben Hinweise darauf, dass ein geistig, körperlich und sozial aktiver Lebensstil direkt verzögernd auf die klinische Demenzentwicklung wirkt.


Nichtmedikamentöse Demenzprävention? "Multikomponenten-Intervention" heißt, Vorbeugemaßnahmen zu kombinieren - also mehrere Bereiche der Demenzprävention anzuwenden. Häufig sind es Programme der kognitiven Stimulation, körperlichen Aktivierung, des Alltags-Trainings (Activity Daily Living), der Erinnerungsarbeit, der Musiktherapie, der Ernährungsoptimierung etc. Freizeitaktivität: Von den "geistigen" Freizeitaktivitäten zeigten Brettspiele den größten Effekt, gefolgt vom Musikinstrumente spielen und Lesen. Je öfter pro Woche Freizeitaktivitäten betrieben wurden, desto geringer war das Demenzrisiko. Bildung: Hoher Bildungsgrad kann das Auftreten geistiger Beeinträchtigung im Rahmen von Demenzerkrankungen verzögern. Menschen mit sechs bis acht Jahren Ausbildung erleben seltener eine Demenz als solche mit einer Ausbildung von unter fünf Jahren. Ein besonders geringes Risiko hatten hochgebildete Probanden ohne genetische Vorbelastung. Fazit: Wer bis ins hohe Alter körperlich aktiv bleibt, geistige Herausforderungen sucht und ein reges Sozialleben führt, reduziert das Risiko kognitiven Abbaus. Aufgrund des generell positiven gesundheitlichen Effekts von regelmäßiger Bewegung sollten ältere Menschen zu körperlicher Aktivität motiviert werden. Laut Studienlage haben in der Reihenfolge Tanzen, Wandern und Schwimmen die größte vorbeugende Wirkung gegen den geistigen Abbau.